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Sie sind fünf: Vier Filmstudenten und ihre Lehrerin auf den Spuren ihrer Vorfahren, Schauspieler oder Zeugen der tragischen Konflikte des 20. Jahrhunderts. Ihr Anliegen: Einen Film zum Gedenken an jene Frauen und Männer zu drehen, die für unser heutiges Europa gekämpft haben, mit dem Ziel einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Folgen Sie der Reise dieser jungen Menschen und ihrer Vorfahren durch ein Gebiet, das reich an Geschichte und Zeitzeugen ist.

In der Großregion zwischen Frankreich, Belgien, Deutschland und Luxemburg, entdecken Sie Orte, die einst zerstört waren, Orte der Erinnerung mit prächtigen Landschaften: Lüttich, Verdun, das Saarland, das Großherzogtum, bis hin in die außergewöhnlichen Wälder der Ardennen. Noch heute sind hier überall Zeugnisse unserer gemeinsamen Geschichte und der Opfer unserer Vorfahren zu finden.

Hier fängt die Geschichte an.

Kapitel 1 | Lara SCHÄFER

1914 dominiert Europa die Welt.

Nationalistisches Fieber, imperialistische Ambitionen, ein Geist der Vergeltung....
Die Rivalitäten zwischen den Großmächten des Kontinents sind so groß, dass ein Krieg unvermeidlich erscheint.

Die Ermordung des österreichischen Erzherzogs Franz Ferdinand, Erbe des Österreichisch-Ungarischen Reiches, durch einen serbischen nationalistischen Studenten am 28. Juni setzt das Pulverfass in Brand. Innerhalb weniger Wochen führt die Bündnispolitik zu einer Reihe von Kriegserklärungen. Die Länder des Dreibunds (Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien) stellen sich nacheinander gegen die Länder der "Triple Entente" (Frankreich, Russland und Großbritannien) und ihren Verbündeten (Serbien, Montenegro).

Um die französischen Verteidigungslinien zu umgehen, dringen deutsche Truppen am 4. August 1914 in Belgien ein und verstoßen damit gegen die Neutralität des Königreichs, das hoffte, den bevorstehenden Ausbrüchen der Gewalt entgehen zu können.

Lüttich, an der vordersten Front, wird zuerst getroffen: Seine Festungen ertragen eine Artilleriewelle nach der anderen. Es folgen Bombardierungen auf Outre-Meuse und tödliche Angriffe auf Zivilisten im Stadtzentrum. Zur Überraschung der deutschen Angreifer widerstehen die belgischen Soldaten tapfer im Festungsring rund um Lüttich (PFL). Ihre Hartnäckigkeit erregt die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit, sie verlangsamt den Vormarsch der deutschen Armee und gibt den Franzosen mehr Zeit um sich vorzubereiten. Doch unter dem Ansturm der feindlichen Artillerie fallen die Festungen eine nach der anderen.

Der Erste Weltkrieg hat begonnen.

lara SHAEFFER

Kapitel 1 | Lara SCHÄFER

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Alles begann, als die französische Gendarmerie mich vor drei Monaten anrief. Sie teilten mir mit, dass sie vielleicht meinen Urgroßvater gefunden hätten. Sie wollten eine DNA-Analyse machen. Ich habe zunächst nichts verstanden.

Mir war nicht bewusst, dass man noch Überreste von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg finden würde. Dann erinnerte ich mich: Ja, laut Familiengeschichte ist mein Urgroßvater 1916 in Verdun verschwunden. Ich habe die Analyse machen lassen und in der Tat: Er war es!

Daraufhin ging ich zuerst zur Festung von Loncin, da mein Urgroßvater Bernhard Keller laut seiner Militärakte im August 1914 hier und in den befestigten Anlagen rund um Lüttich kämpfte.

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Dann begab ich mich in die Nähe von Verdun, wo man seine Überreste in einem Waldstück gefunden hatte. Von seiner Offizier-Uniform des Deutschen Heeres gab es noch einige Überreste. Außerdem eine alte Militärkiste, die unter anderem das Buch "Le Grand Meaulnes" und einen Liebesbrief enthielt.....

lara SHAEFFER
Lara bg Sequence 1
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"Bernhard, mein Geliebter, ich kann nicht aufhören an Dich und die schönen Wochen zu denken, die wir zusammen Anfang des Jahres in Paris und dann hier in Ethe, im Haus meiner Eltern, verbracht haben. Diese Tage scheinen mir so weit weg, fast wie ein Traum, während jetzt der Krieg tobt. Ich zittere, wenn ich daran denke, dass Du an der Front bist, Du, den ich so sensibel kenne und der mit dem schrecklichen Wahnsinn des Krieges so wenig gemeinsam hat …

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...Ich zittere bei dem Gedanken Dich verletzt zu wissen, Dich nie wieder zu sehen... Jeden Tag bete ich zum Herrn, dass er Dich verschont und zu uns zurückbringt. Oscar, unser Sohn, denkt auch jeden Tag an Dich. Er hat Dir heute Morgen ein Bild gezeichnet und mich darum gebeten es Dir mitzuschicken. Wir vermissen Dich sehr, mein teurer Geliebter, in einem Maße, wie ich es nicht ausdrücken kann."

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Unglaublich! Ich hätte mir nie vorstellen können, dass diese Frau, Yvonne Nicolas, und mein Urgroßvater verliebt waren. Eine Belgierin und ein Deutscher, die sich vor dem Krieg in Paris lieben lernten.

Dazu muss man sagen, dass vor dem Ersten Weltkrieg viele gelehrte Deutsche die französische Literatur sehr schätzten. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum er dieses Buch bei sich hatte.

Yvone
Copain Yvone
Livre le grand meaulines

Ich habe dann das Grab des Buchautors Alain Fournier besucht. Auch er starb hier an der Maas und auch er wurde lange Zeit später gefunden, erst 1991!

Danach nutzte ich die Gelegenheit, die Umgebung zu erkunden. Ich bin viel gelaufen. Es ist eine wunderschöne Region! Noch viele andere Schriftsteller und Künstler sind hier im Ersten Weltkrieg gestorben. Der Besuch ihrer Gräber war wie das Eintauchen in eine längst vergangene Zeit, inmitten dieser schönen Natur.

Alain Fournier
1886 - 1914

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Photo Alain Fournier
Cimétire Alain fournie

Dann bin ich wieder nach Belgien zurückgekehrt, um mir das Dorf Ethe anzusehen, das in Yvonnes Brief erwähnt wird. Im August 1914 gab es hier schreckliche Kämpfe während der sogenannten Grenzschlachten. Im Elsass, in Lothringen, in den Ardennen und bis hin zu den Flüssen Maas und Sambre wurden Zehntausende von Soldaten getötet, verwundet oder verstümmelt.

In der Nähe der Schlachtfelder starben aber auch zahlreiche Zivilisten, in Nomeny, Gerbéviller, Rouvres, Rossignol, Tintigny, Dinant..... Yvonnes ganze Familie wurde in Ethe, Gomery und Latour massakriert. Sie allein überlebte, allein mit ihrem Kind Oscar.

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Yvone
Yvone

Um ihrem Geliebten näher zu sein, arbeitete sie in einem deutschen Militärkrankenhaus. Meine Recherchen haben zudem ergeben, dass sie gleichzeitig für den Geheimdienst tätig war, bei der sogenannten Weißen Dame.

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1917 wurde sie entdeckt, inhaftiert und sogar zum Tode verurteilt. Ihr Sohn, Oscar, wurde von den Deutschen verschleppt. Einige Monate später wurde ihre Strafe in Gefängnishaft umgewandelt, wohl weil sie viele deutsche Soldaten behandelt und gerettet hatte. Glücklicherweise wurde sie am Ende des Krieges 1918 befreit, aber ihren nach Deutschland verschleppten Sohn fand sie nie wieder.

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So fand ich also die unbekannte Mutter meines Großvaters, Oskar, der Sohn von Bernhard und Yvonne.

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Oscar soldat
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Kapitel 2 | Seydou SAMAKE

Der Erste Weltkrieg verwüstet Europa und erschüttert die Völker und Nationen.

Aus allen Ecken der Welt kommen Millionen von Menschen und sterben hier in den Schützengräben und auf den Schlachtfeldern.

Kapitel 2 | Seydou SAMAKE

Als Lara mir von dem Denkmal für die muslimischen Kämpfer in Verdun erzählte, wollte ich es sofort sehen. Ich kannte natürlich die französischen Soldatenfriedhöfe mit den weißen Kreuzen. Aber die Hunderten von muslimischen Stelen waren mir neu. Es war sehr beeindruckend!

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Danach besuchte ich die Zitadelle von Verdun und die Festung von Douaumont. Kaum vorstellbar, was die Soldaten dort, in diesen feuchten Mauern, im schrecklichen Lärm der Bombenanschläge durchlebt haben müssen.

Ganz zu schweigen von den Krankheiten, den unzähligen Ratten, den Läusen, die so jucken, dass man sich die Haare ausreißen möchte! Hier war mein Urgroßvater, Ousmane Samaké, stationiert. Er kam aus dem Senegal und hat im Ersten Weltkrieg als Schütze gekämpft. Bei sich zu Hause war er ein Griot, ein Geschichtenerzähler, von Musikinstrumenten umgeben. Er musizierte die ganze Zeit. Eigentlich so wie ich!

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Er hatte einen lustigen Dudelsack und ein kleines Akkordeon, das ich aufgehoben habe und auf dem ich manchmal noch spiele. Genau wie er, als er von seinen Waffenbrüdern umgeben hinter der Front spielte.

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Er spielte auch auf dem Land, in Belgien. 1917 wurde er nämlich von den Deutschen gefangen genommen. Bevor er ins Lager kam, wurde er bei der Ernte eingesetzt. Da hat er sogar die Gelegenheit genutzt, einige traditionelle Lieder aus der Region zu lernen. Ich glaube, dass diese kurze Zeit auf dem Land ihm eine gewisse Verschnaufpause ermöglichte.

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Nachdem die Ernte eingebracht war, wurde es unangenehmer. Für die Gefangenen ging es dann nach Deutschland, in die Kohlebergwerke des Saarlandes, nahe der luxemburgischen Grenze. Die Industrie war von großer Bedeutung in dieser Region.

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Aus dieser Zeit hat mein Urgroßvater ein in Saarbrücken veröffentlichtes Notenheft aufbewahrt. In diesem Buch habe ich das letzte Bild von ihm gefunden, das in Europa aufgenommen wurde.
Er posiert natürlich mit seinem Akkordeon!

Hier ein Lied, das ich für den Film, den wir gerade mit Lara und den anderen vorbereiten, spielen möchte.

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Hier ein Lied, das ich für den Film, den wir gerade mit Lara und den anderen vorbereiten, spielen möchte.

Kapitel 3 | Camille BRISSARD

Vom Ersten Weltkrieg traumatisiert, streben die europäischen Nationen nach Wiederaufbau und Frieden auf dem Kontinent.

Aber neue Bedrohungen ziehen am Horizont auf. Die Weltwirtschaftskrise von 1929, nationalistische Bewegungen und das Entstehen faschistischer Parteien, Vorfälle an den Grenzen....

Ein neuer Krieg bahnt sich an.

Kapitel 3 | Camille BRISSARD

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Camille et Seydou

Dieses Lied, das Seydou spielt, vielleicht hat es meine Urgroßmutter von seinem Urgroßvater gehört.

Das wäre schon außergewöhnlich!
Aber nicht unmöglich.

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Der Urgroßvater von Seydou, Ousmane Samaké, erkrankte 1918 an der Spanischen Grippe, während er in Deutschland gefangen war.

Meine Urgroßmutter, Juliette Bloch, arbeitete gleichzeitig als freiwillige Krankenschwester in Lothringen. Ihre Wege hätten sich daher kreuzen können als er aus dem Krieg zurückkehrte.

Heute hat man es vergessen, aber kurz nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Spanische Grippe verheerende Auswirkungen.
Sie hat weit mehr Männer und Frauen getötet als der Krieg selbst!

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Sie war eine tolle Frau, meine Urgroßmutter! Eine der ersten weiblichen Ingenieurinnen in Frankreich. Tatsächlich wurde den Frauen erst nach Ausbruch des Krieges und der Mobilisierung der Männer erlaubt, höhere Schulen zu besuchen. Sie hat am Elektrotechnischen Institut in Nancy studiert. Sie war die einzige Frau in ihrer Klasse!

Erschüttert von den Schrecken des Ersten Weltkrieges, engagierte sie sich Mitte der 1920er Jahre in Friedensbewegungen. Dabei kam sie denjenigen sehr nahe, die Europa aufbauen und neue Kriege auf dem Kontinent vermeiden wollten. Der Locarno-Pakt, der Briand-Kellog-Pakt.... Sie hat sogar an den lokalen Ausschüssen des Völkerbundes teilgenommen.

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Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 musste sie ihr militantes Leben aufgeben und sich wieder ihrem Beruf widmen. Gleichzeitig begannen sich in den 1920er Jahren in mehreren europäischen Ländern autoritäre Parteien durchzusetzen, von denen einige eine echte Bedrohung für die Demokratien darstellten.

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Das Schicksal ist manchmal grausam. Tatsächlich war das Unternehmen, für das Juliette Bloch als Sekretärin arbeitete, am Bau der Maginot-Linie beteiligt! Und überall war es das Gleiche: In Belgien und Luxemburg wurden Bunkerlinien entlang der Grenzen angelegt, in Deutschland ließ Hitler den Westwall bauen. Binnen weniger Jahre war die Hoffnung auf Frieden in Europa erloschen und die Angst vor einem neuen Konflikt zurückgekehrt.

Das Schicksal ist manchmal grausam. Tatsächlich war das Unternehmen, für das sie als Sekretärin arbeitete, am Bau der Maginot-Linie beteiligt!

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Wer denkt, dass sie sich dadurch entmutigen ließ, liegt aber falsch. Während der Mobilisierung und der Evakuierung von Zivilisten im Jahr 1939 beschloss sie, sich wieder zu engagieren. Dies als freiwillige Krankenschwester in der Nähe von Sedan, in den Ardennen an der belgischen Grenze. Aber ja, es gab eine erste Ardennenschlacht im Jahr 1940.

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Mein Name ist Juliette, Juliette Bloch. Hier bin ich wieder als Krankenschwester im Krieg. Die Verwundeten strömen herein, ich kann mit dem Tempo der Pflege kaum Schritt halten, Tag und Nacht, Tag für Tag, ohne Unterbrechung. Hier haben die Menschen Angst, sie haben Angst vor dem Vormarsch der Deutschen.

Sie fliehen, zu Fuß, zu Pferd, im Wagen, sie nehmen nur das Nötigste mit um ein paar Tage, ein paar Wochen zu überleben. Zehntausende von ihnen irren so auf den Straßen

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Kapitel 4 | Nicolas FEUILLEN

September 1939: Hitler erobert Polen. Es ist der Beginn des Zweiten Weltkrieges und des sogenannten "Sitzkrieges" im Westen. Im Mai 1940 werden Belgien, das Großherzogtum Luxemburg, die Niederlande und Frankreich von der Wehrmacht überfallen.

Am 6. Juni 1944 landen die Alliierten in der Normandie, befreien Frankreich, dann im September Belgien und das Großherzogtum Luxemburg und drängen die nationalsozialistische Armee bis an die deutsche Grenze zurück. Sie wähnen Hitlers Reich kurz vor dem Zusammenbruch. Die Wiederherstellung der nach und nach zurückgewonnenen Freiheit ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Noch im November fallen Fliegerbomben auf Lüttich und Antwerpen.

Am 16. Dezember 1944 spielt Hitler seine letzte Karte und startet völlig überraschend eine heftige Offensive in den einige Wochen zuvor befreiten Ardennen. Mit dieser Operation wollte Hitler die alliierten Armeen teilen und die Brücken über der Maas einnehmen, um zum Hafen von Antwerpen und seinen Ölreserven vorzudringen. Im Norden rücken deutsche Truppen in Richtung Baugnez, Stavelot, La Gleize, Stoumont... vor. In der Mitte erreichen Hitlers Panzer St-Vith, Houffalize, stürzen sich auf Clervaux, dann Wiltz und am 22. Dezember ist Bastogne komplett umzingelt!

"NUTS!" Der amerikanische General McAuliffe verweigert die Kapitulation und seine Soldaten wehren Tag für Tag die deutschen Angriffe auf die Stadt ab, bis General Pattons Verstärkung eintrifft. Hitlers letzter großer Angriff endet schließlich vor den Toren von Dinant. Die Ardennen sind zum zweiten Mal befreit.

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Kapitel 4 | Nicolas FEUILLEN

Nicolas Feuillen
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Offen gesagt, Krieg ist nicht meine Sache.... Gewalt, Elend, Massaker... Nur weil Camille, meine Freundin, die Museen der Ardennenschlacht für unser Abschlussprojekt besuchen wollte, habe ich sie begleitet.

Der Krieg ist in meiner Familie ein heikles Thema. Es hängt zum Teil mit der Geschichte meines Großvaters Desmond zusammen. Er wurde 1945 in den belgischen Ardennen geboren, allein in den Armen seiner Mutter. Ein vaterloses Baby mit so einem Namen, da fangen die Leute an zu reden! Mein Großvater sprach nicht viel über seine Herkunft. Wer weiß, warum...

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aieuls nicolas

Dank Camille, entdeckte ich dann in einem kleinen Museum in den Lütticher Ardennen ein unglaubliches Foto. Auf einem Bauernhof sind Zivilisten und ein amerikanischer Oberstabsarzt zu sehen. Bis dahin nichts Außergewöhnliches.

Abgesehen davon…. dass der Hof der Familie "Feuillen" gehört, meinen Großeltern! Und dass die Frau, die dicht neben dem amerikanischen Arzt steht, eine frappante familiäre Ähnlichkeit hat, die mir sofort in die Augen springt.

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Ferme aieuls nicolas

Ich wollte natürlich mehr erfahren. Ich erklärte den Museumsangestellten meine Geschichte und sie konnten mir tatsächlich Auskunft zu dem Foto geben.

Unfassbar, sie hatten Informationen über meine Familie! Es ist unglaublich, wie viele Zeugnisse und Dokumente sie aufbewahrt haben.

Die Frau neben dem Arzt war meine Vorfahrin! Sie war im Herbst 1944 als Köchin in der amerikanischen Armee eingestellt worden.

Ich muss dazu sagen, dass wir in der Familie seit Generationen ausgezeichnete Köche haben.

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Wie alle anderen wurde sie von der deutschen Offensive im Dezember in den Ardennen völlig überrascht. Sie konnte nicht ahnen, dass die Amerikaner sich nach harten Kämpfen nach Bastogne zurückziehen würden.

Sie verbrachte den Winter 1944-45 mit den dort verbliebenen Bewohnern in der belagerten Stadt. In Schutzräumen und in Kellern verkrochen, warteten sie wochenlang darauf, von den Truppen Pattons befreit zu werden.

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Über den Arzt erfuhr ich, dass er Desmond Thompson hieß und bei der 28. amerikanischen Infanteriedivision war. Da war sie also endlich, die Erklärung für den Vornamen meines Großvaters!

Aber warum war dieser Arzt verschwunden? War er in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt und hatte eine schwangere Frau zurückgelassen oder war er während der Ardennenoffensive gefallen?

Den Unterlagen zufolge, die ich einsehen durfte, verschwand Major Desmond Thompson hier am Schumannseck. Es müssen schreckliche Kämpfe gewesen sein! Ich kann nur erahnen, welche dunkle Stunden Desmond Thompson dort durchlebt haben muss…

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Kapitel 5 | Matthéo WEBER

Nach dem Scheitern von Hitlers letzter Offensive in den Ardennen zog sich die deutsche Wehrmacht an allen Fronten zurück. Zahlreiche deutsche Städte wurden durch alliierte Bombardierungen zerstört.

Mit dem nahenden Ende des Krieges war es schließlich an der Zeit, ein friedliches Europa aufzubauen.

Nie wieder.

Kapitel 5 | Matthéo WEBER

Ich habe schon länger die Idee, diesen Film zu machen! Es ist schon toll, dass alles so gut mit Camille, Seydou, Nicolas und auch unserer Lehrerin Frau Schäfer, die sich jetzt ebenfalls für das Projekt begeistert, organisiert werden konnte. Wir alle haben Vorfahren, die hier in der Region den Krieg erlebt haben. Bei mir ist es meine Großmutter, Rose Thill, 95 Jahre alt und geistig immer noch fit wie eh und je! Diesen Film wollte ich für sie machen.

Matteo WEBBER
Matteo WEBBER BG
Matteo WEBBER BG
Matteo WEBBER

Hier Oma, alles in Ordnung, du kannst so sitzen bleiben. Ich werde neben der Kamera stehen und dir Fragen stellen. Sieh mich genau an, schau nicht in die Kamera.

Also, während des Zweiten Weltkriegs warst du im Widerstand hier in Luxemburg. Du hast Widerstandskämpfer versteckt, diejenigen, die den Deutschen nicht gehorchen wollten. Ist das richtig?

Matteo WEBBER
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Oma hat einen starken Charakter und um damals dem Widerstand anzugehören, musste man auch stark sein. Als die Deutschen im Dezember 1944 zurückkehrten, flüchtete sie mit anderen Bewohnern aus Clervaux in den Keller eines Freundes. Sie verließ ihn allerdings regelmäßig, um neue Lebensmittel zu holen. Eines Tages wurde sie dabei von deutschen Soldaten gestoppt.

Bei der Passkontrolle entdeckten die Deutschen, dass sie eine Widerstandskämpferin war und verlangten ihre sofortige Erschießung. Glücklicherweise verhinderte ein anwesender Offizier diese willkürliche Hinrichtung und lieẞ sie ins Gefängnis von Clervaux bringen.

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Matteo WEBBER
Matteo WEBBER BG
Matteo WEBBER BG
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Später erfuhr meine Großmutter, dass dieser deutsche Offizier einige Wochen zuvor von einem amerikanischen Arzt behandelt worden war, der kurz darauf während der Zusammenstöße am Schumannseck vermisst gemeldet wurde. Natürlich konnte ich nicht anders, als an Nicolas' Urgroßvater zu denken. Es wäre unglaublich, was für ein Zufall! Jedenfalls ist meine Großmutter seither eine überzeugte Europäerin.

Matteo WEBBER
Matteo WEBBER BG
Matteo WEBBER BG

Sie haben mich ins Gefängnis gesteckt, zuerst für ein paar Tage in Clervaux, und dann, als sie den Rückzug antraten, über die Grenze nach Saarbrücken. Da war es schrecklich. Was für eine Trostlosigkeit! Es gab nichts mehr was noch heil war, keine Häuser, alles war zerstört durch die Bombardierungen. Die wenigen Menschen, die noch da waren, irrten durch die Straßen, mager, hungrig,....

Matteo WEBBER BG

Der Anblick dieser Zerstörungen hat sie davon überzeugt, dass die Europäer um jeden Preis versöhnt werden müssten. Gleich nach der Kapitulation Deutschlands 1945 wurde sie aus dem Gefängnis befreit. Zurück in Luxemburg engagierte sie sich in der Politik. Sie kandidierte kurz nach dem Krieg für die Kommunalwahlen.

Einige Jahre später trat sie sogar dem Kabinett von Joseph Bech bei, einem der Väter Europas. Sie war beteiligt an der Ausarbeitung der ersten europäischen Verträge, insbesondere dem zur Gründung der EGKS. Und genau hier wurde genau genommen das heutige Europa geboren.

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Matteo WEBBER BG
  • Lara SHAEFFER

    lara

    Filmprofessorin

  • Seydou SAMAKE

    seydou

    Musiker

  • Camille BRISSARD

    CAMILLE

    Drehbuchautorin

  • Nicolas FEUILLEN

    Nicolas

    Toningenieur

  • Matthéo WEBBER

    matthéo

    Regisseur

Die Reise unseres Teams durch die Gebiete von Land of Memory ist nicht vorbei.

Begeistert vom Thema, glücklich und überrascht über ihre Entdeckungen und Begegnungen, berichten sie weiterhin von ihren Abenteuern in Frankreich, Belgien, Deutschland und Luxemburg.

Die Geschichte geht weiter

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